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Dr. Winfried Wilkens, Kreisrat beim Landkreis Osnabrück

(Studium der Rechtswissenschaft, 1. Juristisches Staatsexamen 1988; Dr. iur. 1991)

Warum haben Sie sich damals für ein Jurastudium entschieden?

Bis zum Abi war ich sicher, Chemiker werden zu wollen. Mir wurde dann aber immer bewusster, dass ich mich „schon immer“ für politische Zusammenhänge interessiert habe. Also wollte ich beruflich etwas machen, was mit Politik zu tun hat. Da liegt Jura einfach näher als eine Naturwissenschaft. Und so ist es ja auch gekommen: Heute bin ich Verwaltungsbeamter an der Schnittstelle zur Politik.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Ihre Studienzeit in Osnabrück zurückdenken? Welche Erfahrungen aus dieser Zeit waren besonders prägend?

Im juristischen Studium droht angesichts der großen Studierendenzahl ja immer die Gefahr, in der Anonymität unterzugehen. In Osnabrück war das anders als an manchen Massen-Universitäten: Im ersten Semester starteten wir zwar mit 250 Kommilitoninnen und Kommilitonen, aber trotzdem gab es nicht nur im privaten Bereich, sondern sogar in den großen Vorlesungen jede Menge Gelegenheit zum persönlichen Kontakt. Das war bereichernd und hat mir sehr geholfen, mich in Osnabrück und an der Uni „zu Hause“ zu fühlen.

Wie sind Sie zur Kommunalverwaltung gekommen? Gab es dafür äußere Anstöße?

Meine erste berufliche Station war in der Landesverwaltung. Aber durch die Verwaltungsstation im Referendariat und eine einjährige Abordnung als Landesbeamter zum Landkreis Osnabrück habe ich gemerkt, wie spannend und vielfältig die Arbeit gerade bei einer größeren Kommune sein kann. Der seinerzeitige Oberkreisdirektor hat mich dann zunächst einem nordrhein-westfälischen Kreis als Dezernent empfohlen und mich kurze Zeit später nach Osnabrück geholt. Für mich die beste berufliche Entscheidung meines Lebens!

Was gefällt Ihnen besonders gut an dieser Tätigkeit?

In meinem Vorstandsbereich kann man sich einfach nicht langweilen: Ich arbeite jeden Tag an so unterschiedlichen Themen wie Naturschutz, Umsetzung der Energiewende, Verkehr, gesundheitlicher Verbraucherschutz, Bevölkerungsschutz, Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, Regionalplanung, Wasserwirtschaft und und und. Eine solche Aufgabenvielfalt zu haben und mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen und Institutionen zusammen arbeiten zu dürfen, empfinde ich als großes Privileg.

Worin liegen die Nachteile/Herausforderungen Ihrer Tätigkeit?

Man darf nicht auf die Uhr schauen – „9 to 5“ funktioniert nicht. Und die Themendichte, die Menge an Informationen und Nachrichten, die zu verarbeiten sind, hat sich in den letzten Jahren nochmal deutlich erhöht. Aber das ist in anderen Berufsfeldern ja auch nicht anders.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Etwas übertrieben gesagt rede ich den ganzen Tag von morgens bis abends mit Menschen. Oder etwas konkreter: Ich habe mal beispielhaft in den Kalender der letzten Woche geschaut und dort 24 Termineinträge gefunden: das eine oder andere Vier-Augen-Gespräch, etliche Sitzungen offizieller Gremien mit zum Teil „bunten“ und langen Tagesordnungen, Gespräche zu Einzelthemen mit Betroffenen, mit Stakeholdern, mit Kooperationspartnern. Zwischendurch Telefonate und natürlich – gefühlt rund um die Uhr – Mails, Mails, Mails. Manche davon beantworte ich aus eigenem präsentem Wissen. Viele leite ich weiter an Mitarbeitende mit der Bitte, mir Informationen und Einschätzungen dazu aufzubereiten. Das ist vielleicht ohnehin das Wichtigste: Eine Kommunalverwaltung ist eine hoch-arbeitsteilige Organisation – an vielen Fragen sind mehrere Organisationseinheiten beteiligt. Und die ungefähr 350 Menschen in meinem Vorstandsbereich wissen über fast alle Themen viel mehr als ich als Einzelperson. Dieses immense Fachwissen zu mobilisieren, um in konkreten Fragestellungen voranzukommen – vielleicht ist das die Quintessenz meines Jobs. Und dann kommen bei kommunalen Wahlbeamten – gewissermaßen als „Sahnehäubchen“, die aber auch viel Zeit (bevorzugt abends und an Wochenenden) in Anspruch nehmen – repräsentative Termine dazu: Grußworte auf Verbandstagungen, Spatenstiche und Eröffnungen, Fototermine mit Ministern usw. Auch das ist Teil meiner Arbeit, einerseits Beziehungspflege und Networking, aber fast immer auch mit fachlich-inhaltlichen Elementen – inhaltsleere Grußworte werden Sie von mir nicht hören.

Was war für Sie das Spannendste, was Sie bisher in Ihrem Job erlebt haben?

Wann kommt man als „Kommunalo“ schon mal beruflich nach Peking? Ich hatte vor einigen Jahren dieses Glück. Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), ein bundeseigenes Unternehmen mit dem Auftrag, die Entwicklungszusammenarbeit voranzubringen, war auf die umfangreichen Aktivitäten des Landkreises Osnabrück in Sachen Klimaschutz aufmerksam geworden und hat mich als Referenten für eine hochkarätig besetzte Tagung für chinesische Regionalvertreter benannt. So durfte ich in der chinesischen Hauptstadt erklären, mit welchen Methoden in Deutschland z.B. die regenerativen Energien gefördert werden. Auch wenn man an der chinesischen Klimaschutzpolitik vieles kritisieren muss (und Deutschland drückt ja auch erst seit kurzem wieder stärker „auf die Tube“…): Der Wille der dortigen Akteure, Informationen aufzunehmen und für das eigene Tun zu bewerten, war bemerkenswert. Wir deutschen Referenten wurden auch deutlich über das Tagungsprogramm hinaus „herumgereicht“ und im positiven Sinne ausgequetscht. Anstrengend und aufschlussreich zugleich.

Was ist aus Ihrer Sicht in Ihrem Berufsfeld besonders wichtig?

Wenn man an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik arbeitet, muss man beide „Sprachen“ sprechen und wechselseitig „dolmetschen“. Und innerhalb der Verwaltung müssen immer wieder aus den verschiedenen Fach-Sichten gemeinsame Positionen „des Hauses“ entwickelt werden. Bei beiden Aspekten hilft es natürlich sehr, wenn man versteht, warum jemand eine bestimmte Position bezieht. Welche fachlich-inhaltlichen Gründe gibt es dafür, welche politischen, welche persönlichen?

Was hätten Sie rückblickend Ihre Tätigkeit betreffend gern vorher gewusst?

Nichts – jedenfalls, wenn man die Frage so verstehen würde, ob es Gründe dafür gegeben hätte, besser doch einen anderen Beruf zu wählen. Das, was ich tue, ist nach wie vor mein Traumjob. 

Zu guter Letzt: ein Tipp für Studierende für die Zeit nach dem Examen?

Nach meiner Erfahrung hilft es, schon früh eine Idee zu entwickeln, welcher Beruf zu einem passen könnte, dann aber immer wieder – auch nach dem Examen – den Gedanken zuzulassen: „Soll ich diesen Weg wirklich weitergehen oder gibt es noch etwas Anderes, was noch besser zu mir passen würde?“. Das tolle an der juristischen Ausbildung ist, dass man damit so unglaublich viele unterschiedliche Wege gehen kann. Jura zu studieren ist also eine ziemlich gute Versicherung dagegen, in einer ausbildungsmäßigen Sackgasse zu landen, wenn man doch noch etwas anderes machen will als man eigentlich geplant hat. Was will man mehr?